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26.02.19

"ALS ICH NACH WINTERTHUR KAM, KONNTE ICH NUR DREI WÖRTER DEUTSCH"

Gut ein halbes Jahr ist es her, dass Agnes Rutqvist den Sprung von ihrer schwedischen Heimat ins Ausland wagte. Gelandet ist die 26-jährige in Winterthur, wo sie seither für das SPL1-Team von Yellow aufläuft. Der im Rückraum vielseitig einsetzbaren Handballerin ist deutlich anzumerken, dass sie Stück für Stück besser in der neuen Umgebung klar kommt – sowohl auf als auch neben dem Feld.

Agnes Rutqvist, Fotograf Nick Soland

„Ich wollte eine neue Erfahrung machen, etwas Anderes kennen lernen und dabei meiner Handballkarriere einen Schub geben.“  Eine Herausforderung ist ihr Engagement allein schon aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse. „Als ich nach Winterthur kam, konnte ich nur drei Wörter auf Deutsch sprechen.“ Mittlerweile klappt die alltägliche Kommunikation schon ganz gut.

 

Auch sportlich läuft es für die Rückraumspielerin immer besser. „Seit ich auf Rückraum Mitte eingesetzt werde, finde ich viel besser ins Spiel und kann dem Team mit Toren und Anspielen weiterhelfen.“ Die Torquote der Schwedin hat in den letzten Spielen tatsächlich merklich zugenommen. Seit Januar erzielte sie in sechs Spielen (wettbewerbsübergreifend) 51 Tore. Insgesamt stehen 97 Treffer in 18 Spielen zu Buche und ihr Trikot mit der Nummer 27 hat sie schon seit Längerem gegen das Shirt der Mobiliar Topscorerin eingetauscht.

 

Selbstkritisch merkt Agnes Rutqvist aber auch an, dass sie als Spielgestalterin noch Luft nach oben hat. Gerade in schnellen und hektischen Phasen fordert sie von sich selbst noch mehr Ruhe und den Blick für die richtige Entscheidung. Das hindert die offene und nicht auf den Mund gefallene Rechtshänderin aber nicht daran, die ein oder andere taktische Diskussion mit ihrem Trainer Fabian Schäfli zu führen. „Ich akzeptiere die Verantwortung des Trainers voll und ganz, aber wenn ich taktisch eine andere Auffassung habe, bespreche ich das mit ihm – und manchmal gibt er mir sogar recht.“

 

Fast perfekt

Also alles bestens für die Schwedin in Winterthur? Fast. Denn die grosse Distanz zu ihren Liebsten beschäftigt Agnes Rutqvist schon. „Mein Freund ist in Schweden geblieben. Ihn vermisse ich hier in der Schweiz genauso wie meine Familie und Freunde“, sagt die 26-jährige, die einen älteren Bruder und eine ältere Schwester sowie einen Halbbruder hat. Ansonsten sorgt auch die enge Verbindung zu ihren Teamkolleginnen für Ablenkung, mit denen sie abseits des Sports einiges erleben kann.

 

Und auch ihre Begeisterung für die Schweiz wird im Gespräch deutlich. „Die Natur und die verschiedensten Formen sie erleben zu können, faszinieren mich. Die Wege sind so phantastisch kurz. Man kann bei frühlingshaften Temperaturen in der Stadt sitzen und in zwei Stunden auf dem Berg Ski fahren.“ Zu guter Letzt ist die skandinavische WG in Wülflingen, in der sie gemeinsam mit ihrer dänischen Mitspielerin Agnethe Boysen wohnt, auch ein Stück weit wie Heimat.

 

Später einmal Trainerin?

Ein paar Jahre, so Rutqvist, will sie definitiv noch aktiv Handball betreiben. Gut möglich, dass die Schwedin danach dem Handball treu bleibt. „Wenn ich einmal aufhöre zu spielen, will ich in einer anderen Form weiter mit der Sportart verbunden sein. Vielleicht werde ich dann Trainerin – das könnte ich mir gut vorstellen.“ So weit hergeholt ist der Gedanke nicht, denn Agnes Rutqvist verfügt über eine abgeschlossene Ausbildung als Personal Coach und könnte so ihren Spielerinnen in Sachen Fitness problemlos einiges abverlangen.

 

Zunächst einmal wird die 26-jährige aber selbst noch ins Geschehen eingreifen. Am Wochenende steht für Yellow das zweite Spiel in der Auf-/Abstiegsrunde der SPL auf dem Programm. Dann geht es für die Winterthurerinnen nach Herzogenbuchsee. Gegen die noch ungeschlagenen Oberaargauerinnen sollen, wenn es nach Agnes Rutqvist geht, die nächsten beiden Punkte eingefahren werden. Ziemlich sicher wird die Schwedin dann auch wieder im Zentrum des Winterthurer Spiels stehen.



Kategorie: Infos & Events

Von: Matthias Schlageter, SHV


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